Sein Leben

Brittingstube im Historischen Museum der Stadt Regensburg

„Beamtensohn, Stud.Regensburg, 1914 Kriegsfreiwilliger, seit 1920 freier Schriftsteller in München. Lyriker und Erzähler von bizarrer Phantastik und tiefsinnigem Humor, mit kräftiger, mundartlich beeinflußter Barocksprache und starker Bildhaftigkeit. Sinnenhafte Weltfreude, die sich dem dämonischen Untergrund des Lebens nicht verschließt. Gedichte von verhaltener Sprödigkeit und eigenwüchsig knapper Sprache. Zumeist Naturlyrik liedhafter Art, doch auch Hymne, Sonett und schlichte Spruchdichtung. Novellen und Kurzgeschichten in einer bewußt gepflegten, der natürlichen mündlichen Sprechweise abgelauschten Sprachform, das Geschehen einverwoben in Stimmung und Atmosphäre, Offenbarung der schicksalhaft-dämonischen Verflochtenheit des Daseins. Im Roman Neigung zu ironischem Humor und Groteske.“

Quelle: Lexikon der Weltliteratur, Band 1, Gero von Wilpert/Kröner Verlag

Kurzbiographie

Georg Britting wurde 1891 in Regensburg geboren und verbrachte Kindheit und Jugend in der alten Stadt an der Donau.

Zu seinen bekanntesten Büchern gehört »Die kleine Welt am Strom.«

1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, wurde 1918 als Leutnant schwer verwundet, gab von 1919 – 1920 in seiner Heimatstadt eine expressionistische Zeitschrift DIE SICHEL heraus und zog 1921 nach München. Von diesem Zeitpunkt an lebte er bis zu seinem Tode 1964 dort als freier Schriftsteller ohne feste Einkünfte und bis zu seinem 60. Lebensjahr in möblierten Zimmern. Er wurde Mitarbeiter in den Feuilletons verschiedener bedeutender Zeitungen und Zeitschriften, schrieb Theaterstücke, Prosa und Gedichte; 1930 bereiste er Bosnien, die Herzegowina, Montenegro und Albanien.

Sein einziger Roman, 1932 erschienen, trägt den Titel »Lebenslauf eines dicken Mannes, der Hamlet hieß.« Er wurde ins Französische, Holländische und Polnische übersetzt.

In Abständen erschienen während dreier Jahrzehnte seine Gedichtausgaben »Der irdische Tag«, »Rabe, Roß und Hahn«, »Lob des Weines«, »Unter hohen Bäumen« und »Die Begegnung«. Postum noch »Der unverstörte Kalender«.

Von den Erzählungsbänden seien genannt »Der verlachte Hiob«, »Das gerettete Bild«, »Das treue Eheweib«, »Der Schneckenweg«, »Afrikanische Elegie« u.a.

Als politisch unbelastet eingestuft, konnte Britting nach dem Krieg sofort wieder publizieren, wurde 1948 Gründungsmitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, erhielt im Lauf der Jahre den Bayerischen Verdienstorden, das große Bundesverdienstkreuz und eine Reihe bedeutender literarischer Preise. Er ist lebenslang viel gereist, mit sparsamen Mitteln, vor allem in Italien, war wiederholt in Rom, später jährlich in Verona, wo ihn die dortige Presse jeweils als kulturellen Vermittler deutsch-italienischer Beziehungen, gerade auch zwischen Verona und München, begrüßte.

Kurz nach seinem 60. Geburtstag bezog er mit seiner viel jüngeren Frau eine kleine Dachwohnung am Sankt–Anna–Platz 10, im Herzen Altmünchens, dem Lehel, gelegen, ein sogenanntes Künstlerhaus, das der Stadt gehörte und im Krieg teilweise zerstört worden war.


Die drei Mansarden des linken Hauses ist die Wohnung.

Der damalige Kulturbeauftrage Hans-Ludwig Held veranlaßte dessen Wiederaufbau, um ausgebombte Münchner Maler oder Schriftsteller, bzw. solche, die einer Wohnung bedürftig waren, dort unterzubringen. Hier entstanden Brittings späte Erzählungen und eine Reihe von Gedichten in antikem Versmaß.

Zu seinem 70. Geburtstag würdigte ihn Curt Hohoff in der „Süddeutschen Zeitung“ unter dem Titel Kein Zugeständnis an den Zeitgeist:

[…] Er hat nie Vorträge gehalten, nie Essays geschrieben, nie eine Redaktion aufgesucht, keine Politik anerkannt. Er hat kriegerische und zivile Orden bekommen, etliche Preise empfangen, hat zurückgezogen gelebt und gearbeitet, Zigarren und Virginia rauchend, abends Bier und Wein trinkend, eine männliche Vollnatur von schärfstem Verstand und Urteil, messerscharfem Hohn auf alle ›Planer‹ und dichterischem Gedächtnis. Er lebt, wie seine Hechte in ritterlicher Tiefe, doch manchmal sieht man es im Wasser blitzen.

Der See

Ruhig atmet der See, kindergesichtig, fromm
Glänzend. Du aber weißt, was in der Tiefe haust:
Schwarze Fische, der Waller
Und der mächtige Raubfisch Hecht.
Manchmal steigt aus der Flut silbern die Blase auf,
Manchmal rührt in der Bucht singend das Schilfrohr sich:
Jagt jetzt unten am Grunde
Grausam hetzend der Raubfisch Hecht?


Georg Britting starb 1964 im 73. Lebensjahr am Annaplatz.

Sankt-Anna-Platz 10 von Ingeborg Schuldt-Britting

Erinnerungen an Georg Britting und seinen Münchner Freundeskreis
im PDF-Format
Weitere Informationen zum Buch

Ein virtueller Spaziergang zu Georg Britting in München

von Anna Keil